Sozialismus als eigene Formation

Im 19. Jahrhundert entstandenen drei große politische Ideologien. Das waren der Sozialismus, der Liberalismus und der Konservatismus. Es gibt keine eindeutige Definition des Begriffes Sozialismus und so umfasst er eine breite Palette von vielen Varianten. Darunter sind Anarchismus, Parlamentarismus und Demokratie, die Systeme wie der Realsozialismus oder nationale Sozialismus. Sie gehen über Reform Bewegungen, die sozialdemokratisch akzeptiert wurden, bis zu kommunistisch-totalitären oder autoritären Systemen, die aus einer Revolution entstanden sind. Von den Sozialisten werden besonders die Grundwerte Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität betont. Auf die Wechselbeziehung zwischen der praktischen sozialen Bewegung und der theoretischen Gesellschaftskritik wird größten Wert gelegt. Beide sollen sich zusammen in die Richtung der gerechten Wirtschafts- und Sozialordnung weiter entwickeln. Das Privateigentum der Produktionsmittel wird als die Wurzel des Übels von der Gesellschaft angesehen und daher wird die Vergesellschaftung angestrebt.

Die Kritiker des Sozialismus vertreten die Ansicht, dass eine nicht marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung, besonders bei einer Zentralverwaltungswirtschaft, ökonomisch ineffizient und darüber hinaus nicht mit individuellen Grundrechten und Rechtsstaatlichkeit zu vereinbaren sei. Die damals bekannte Definition von Sozialismus wurde in den zwanziger Jahren von dem Soziologen Werner Sombart ausgearbeitet. Dabei kam er auf eine Zahl von 260. Es ist generell und prinzipiell umstritten, was letztendlich unter dem Begriff Sozialismus zu verstehen ist. Es gibt keine Definition, die allgemein anerkannt, wissenschaftlich gültig oder zuverlässig ist. Selbst die verschiedenen historischen Erscheinungsformen werden nicht abgedeckt.

Der Wortgebrauch Sozialismus unterliegt seit 130 Jahren einem ständigen Bedeutungswandel, der tief greifend ist und sich durch große und teilweise unklare Bedeutungsfülle auszeichnet. Da die Bedeutung des Begriffs so vage ist, werden häufig Adjektive wie proletarisch, wissenschaftlich, demokratisch, christlich, genossenschaftlich, konservativ oder utopisch davor gesetzt. Der Begriff ist inzwischen uferlos ausgeweitet und nicht mehr eindeutig. Dass der Sozialismus eine eigene Formation sei, die gedanklich geschieden werden müsse vom Kommunismus, um auszureifen, ist die Meinung der Herren Helmut Koziolek vom Zentralinstitut für sozialistische Wirtschaftsführung und Otto Reinhold von der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED.

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